Vorkriegszeiten

Vorkriegszeiten sind im Rückblick schön. Man denkt mit Wehmut an die Jahre zurück, als die Familie beisammen war, die Eltern lebten und das Haus noch stand. Uns ging es gut.

Geschichte, du starrst die Wand an, versetzst dich zurück, schaust wieder nach vorn und weißt: Da ging es los. Will heißen: Da war es schon losgegangen, denn vorher hat man es nicht kommen sehen und hinterher war es schon zu spät.

Aber so schlimm kam es am Ende auch wieder nicht. Der Krieg hatte sein Gutes. Wir gingen ein und aus und aus und ein in fremden Kneipen, immer auf der Suche nach anständigem Wein und willigen Weibern oder Jungs, und wenn einer aus dem Fenster sah und sagte "Schaut, ein Rappen", dann sagten wir: "Komm, gebildeter Bauernsohn, trink und verdampf uns ein paar Mohnblumenkerne gegen die schlechten Hitzeträume, man muss ausgeruht in die Schlacht."

"Das gibt ein böses Erwachen", warnte der Kamerad, aber wir winkten ab: und wenn schon, so ist es doch immer seit Menschengedenken, du machst die Augen auf und siehst die Ohnmacht der Götter an deinem Lager und die Todessehnsucht des Dichters, der so singen kann, dass man zuhören müsste. Dann drehst du dich dreimal im Kreis und siehst dich träumen vom Sieg und an der Schwelle zur Macht.

Brüderlein und Schwesterlein wollen alle wir sein, denn was zwischen einem Tag und dem nächsten liegt, gehört uns zu gleichen Teilen. Erst schläfst du, während ich wache, dann träume ich, und du gehst hinaus. Da wartet er schon, der junge, hübsche Schatten deiner Nächte, und nimmt dich im Lastwagen mit. Du rufst, "Schnall dich doch an!" Der Schatten schüttelt den Kopf. "Ach, Sicherheit", sagt er, "weißt du, das ist so eine Sache". Er hält das Lenkrad mit der linken Hand und greift dir mit der rechten in den Schritt, "Schatzi, nicht schämen, gleich ist von uns nichts mehr übrig, ich liege am Straßenrand, dich kratzt man von der Wand.

Dann hält man eine Rede,

Worte

nicht Taten

ewig unbeständig".